Mit einigen technischen Raffinessen versuchen sie, das Handy zur Geldbörse umzufunktionieren

2013-06-05  |  News

Es ist ein Albtraum an jeder Supermarktkasse. Die Geldbörse ist voller Kleingeld, und man möchte seinen Einkauf schnell passend bezahlen. Man kramt in seinem Portemonnaie - die Kunden hinter einem sind schon unruhig - und stellt nach einer gefühlten Ewigkeit fest: Es reicht nicht. Es muss doch der 50-Euro-Schein her. Danach beginnt für das Wechselgeld die Kramerei an der Kasse. Geht es nach Finanzinstituten und dem Einzelhandel, soll damit bald Schluss sein.Mit einigen technischen Raffinessen versuchen sie, das Handy zur Geldbörse umzufunktionieren.

Allein in Deutschland gibt es 113 Millionen Mobiltelefone. Da man es immer mit sich herumträgt, liegt der Gedanke nah, dem Mobiltelefon eine Bezahlfunktion zu geben. Statt im Bus nach Kleingeld zu suchen oder am Parkautomaten wieder mal nicht die passenden Münzen parat zu haben, soll das Bezahlen dann einfach mit dem Handy möglich sein. Dass es dafür ein großes Potential gibt, zeigt eine Studie des Branchenverbandes Bitkom. 43 Prozent aller handyhülle selbst gestalten huawei können sich vorstellen, ihr Telefon zum Bezahlen einzusetzen. Bei der jüngeren Generation unter 30 Jahren sind es sogar 75 Prozent. Jeder Fünfte würde überall mit dem Handy bezahlen, wo er heute eine Giro- oder Kreditkarte einsetzt.

Nach Schätzungen des Marktforschungsinstitutes Gartner wurden im Jahr 2012 auf der ganzen Welt schon Transaktionen von mehr als 170 Milliarden Dollar mobil abgewickelt - mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2011. „Wir erwarten für das Volumen und den Wert mobiler Transaktionen zwischen 2011 und 2016 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 42 Prozent“, sagt die leitende Gartner-Analystin Sandy Shen: „Außerdem sagen wir für 2016 ein Marktvolumen von 617 Milliarden Dollar bei 448 Millionen Nutzern voraus.“
Edeka und Netto sorgten zuletzt für Aufsehen

In Deutschland ist der Markt allerdings noch eine Nische. Nach einer Studie des EHI Retail Institute bezahlten im vergangenen Jahr weniger als 1 Prozent der Kunden mit dem Mobiltelefon. Momentan befindet sich mobiles Bezahlen in einer Pionierphase. Nahezu jeder Anbieter köchelt sein eigenes Süppchen, und es hat sich noch kein einheitlicher Standard durchgesetzt. Manche Anbieter setzen auf Programme auf dem Handy, sogenannte Apps. Bei anderen zahlt man mit der SMS, und einige haben Chips entwickelt, die man auf sein Handy kleben kann. Es ist noch nicht absehbar, welches System sich hierzulande durchsetzen wird. Deshalb ist der Markt für mobiles Bezahlen in Deutschland noch sehr übersichtlich.

Zuletzt sorgten Edeka und Netto mit einem eigenen Programm für das Smartphone für Aufsehen. Nach einmaliger Registrierung muss man an der Kasse lediglich seine persönliche Geheimzahl ins Handy eingeben. Daraufhin erscheint ein Strichcode auf dem Telefon, welcher an der Kasse nur abgescannt werden muss. Der Vorteil für Kunden hält sich dennoch in Grenzen. Wesentlich schneller als das Bezahlen mit der EC- oder Kreditkarte ist der Vorgang nicht. Es werden lediglich Gutscheine automatisch mit eingerechnet, so dass der Kunde im Idealfall etwas Geld spart. Ein anderer, größerer mobiler Zahldienst ist mpass. Dieser Service wird von Vodafone, T-Mobile und o2 betrieben. Mit ihm kann man allerdings nur online bezahlen, und das auch nur in wenigen Läden. Auch hier ist der Nutzen für den Verbraucher zumindest im Moment zweifelhaft.
Nicht allein wegen des Vorteils für den Kunden

Perspektivisch soll die Technologie NFC (Near Field Communicaton, zu deutsch: Nahfeldkommunikation) zum Einsatz kommen. Mit ihr könnte dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch verholfen werden. Darauf setzen auch die deutschen Einzelhändler. Jedes fünfte große Unternehmen benutzt die Technologie schon, weitere 45 Prozent wollen laut EHI Retail Institute das Bezahlen mit NFC in naher Zukunft anbieten. Mit der Technologie können Daten aus wenigen Zentimetern Entfernung übertragen werden, wenn das Handy den passenden Chip hat und es ein passendes Terminal gibt. Bisher sind allerdings nur sehr wenige Telefone mit dem Chip ausgerüstet.

Manche Anbieter versuchen es daher mit einem Trick: Sie bieten einfach Chips an, die man auf das Handy klebt oder hinter der Akkuabdeckung versteckt. Auf diese Lösung setzt etwa die Targobank. Sie bietet einen mobilen Chip an, der nicht viel größer als eine Sim-Karte ist und der als Außenstelle der Kreditkarte bei der Bank fungiert - für die der Kunde dann auch 25 Euro im Jahr zahlen muss. Der Clou: Es ist sehr einfach, damit zu bezahlen. Keine SMS senden, kein Programm auf dem Telefon starten, sondern einfach nur sein Handy hinlegen und maximal die PIN eingeben.

Den Kunden sollte aber bewusst sein, dass die Finanzbranche diese neue Technologien nicht ausschließlich anbietet, um den Kunden einen Vorteil zu bieten. Einerseits geht es darum, neue Kundengruppen zu gewinnen. Firmen, die mobiles Bezahlen anbieten, wollen auf diesem Wege auch Gebühren sparen, die sonst für Abbuchungen anfallen. Und Finanzinstitute nehmen durch zusätzliche Gebühren und höhere Umsätze auch zusätzliches Geld ein.

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