Die gefährliche Sucht nach dem Smartphone

2014-11-17  |  News

Menschen nutzen ihr Smartphone im Schnitt drei Stunden am Tag, und die meisten fühlen sich schlecht dabei. Ein Bonner Forscherteam hat sich gefragt, wo die Abhängigkeit anfängt – und Lösungen gesucht.

Sie lieben ihr Handy? Sie können sich den Alltag ohne Handy nur noch schwer vorstellen? Aber irgendwie nervt es Sie auch? Mails, WhatsApp und Facebook stehlen Ihnen Zeit? Drei Stunden pro Tag verbringen Sie wahrscheinlich mit ihrem Mobiltelefon. Das ist das bisherige Ergebnis einer groß angelegten Studie des Informatikers Alexander Markowetz von der Universität Bonn. Zusammen mit dem Psychologen Christian Montag hat er den Handygebrauch Tausender Menschen untersucht. Die beiden wollten erforschen, wie viel Zeit die Menschen tatsächlich mit Handy oder Smartphone verbringen. Und sie wollten herausfinden, wie viel normal ist. Wann die Handynutzung problematisch wird und wo die Abhängigkeit anfängt.

"Ich habe selbst ein völlig unverantwortliches Handyverhalten, und vielen Kollegen geht es ähnlich. Und das wollten wir im großen Stil untersuchen", sagt der 38 Jahre alte Markowetz. Er entwickelt ein kleines Programm, eine App, die er Menthal nennt. Wer Menthal auf sein Handy lädt, lässt zu, dass alles gezählt wird: Wie viel Zeit er im Internet surft. Wie oft er eine SMS schreibt. Wie lange er bei Facebook verbringt. Die wichtigsten Daten werden dann anonymisiert an einen Server übermittelt, wo die Wissenschaftler sie auswerten.

Anfang des Jahres hat Markowetz das Programm im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Pressestelle der Uni Bonn gab zur gleichen Zeit bekannt: "App warnt vor Handy-Abhängigkeit." Dieser Satz schien Tausende anzusprechen. Bis Anfang November installierten rund 200.000 Menschen die App auf ihrem Smartphone. "Wir wurden überrannt. Darauf waren wir nicht vorbereitet", sagt Markowetz. "Unsere Server standen immer kurz vor dem Absturz. Mit dieser Datenmenge waren sie überfordert. Wir übrigens auch."

Bis heute sind nicht alle Daten ausgewertet. Der große Schatz an Informationen über das Handy-Verhalten von 200.000 Menschen muss erst noch gehoben werden. Es sind kostbare Informationen, die für viele von Interesse sind. Etwa für Unternehmen, die analysieren könnten, wann und warum ihre Angestellten ständig abgelenkt sind. Oder für Psychologen, die gerne besser verstehen würden, warum sich viele Menschen so gehetzt fühlen und psychisch zusammenbrechen. Oder auch für Entwickler von Handy-Spielen, die mit diesen Daten ihre Spiele an die Gewohnheiten der Nutzer anpassen könnten.

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